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Meine Sammlung - Alte Kinder- und Jugendliteratur

Welser Bilderbuchverlag A. Mühlehner 


Gründung und Nachkriegskontext (1945)

Der Welser Bilderbuchverlag Alfred Mühlehner wurde im Jahr 1945 von dem Kaufmann Alfred Mühlehner in Wels (Oberösterreich) gegründet (Firmensitz: Ringstraße Nr. 4). Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs existierte in Österreich kein heimischer Spezialverlag für Bilderbücher; der Markt war zuvor vor allem von deutschen Verlagen wie Scholz oder Stalling beliefert worden, die mit Kriegsende für den österreichischen Markt ausfielen. Trotz des extremen Rohstoffmangels der Nachkriegszeit gelang der Aufbau des Verlags rasch, sodass bereits zu Weihnachten 1945 die ersten Bilderbücher ausgeliefert werden konnten.


Produktionsstruktur, Druckerei und Firmeneintragungen (1945–1955)

Um bei der Herstellung der Bilderbücher unabhängig von fremden Druckereien zu sein, gliederte Alfred Mühlehner dem Verlag eine eigene Druckerei an. Diese betrieb er in enger Zusammenarbeit mit seinem Vater Josef Mühlehner, dem Besitzer der Welser Offset-Druckerei Josef Mühlehner in der Vogelweiderstraße 41.

Am 1. Oktober 1955 wurden beim Kreis- als Handelsgericht Wels im Handelsregister (Abteilung A) zwei Firmen offiziell neu eingetragen:

A 841: Alfred Mühlehner, Spielwarengroßhandel (Geschäftsinhaber: Alfred Mühlehner, Kaufmann).
A 842: Welser Bilderbuchverlag Alfred Mühlehner (Geschäftsinhaber: Alfred Mühlehner, Kaufmann).

Privat wohnte Alfred Mühlehner mit seiner Gattin Elisabeth im Heimstättenring 39 in Wels, wo auch die gemeinsame Tochter Gerlinde am 20.01.1949 geboren wurde.


Vertrieb, Expansion und Messepräsenz (1950–1951)

Im Jahr 1950 feierte das Unternehmen sein fünfjähriges Jubiläum und trat mit dem Slogan „Der führende Bilderbuchverlag Österreichs“ an die Öffentlichkeit. Das Vertriebsnetz erschloss über Vertreter das gesamte österreichische Bundesgebiet und dehnte sich erfolgreich nach Südtirol, Westdeutschland und die Schweiz aus.

Ausstellungsstand zur Messe 1950

Der Verlag setzte gezielt auf großflächige Werbe- und Messeauftritte:
Ständiger Messestand: Ein fester Ausstellungsstand befand sich im Wiener Messepalast (Halle H 5, Stand 807–809).
Messen: Der Verlag präsentierte sein Programm unter anderem auf der Wiener Herbstmesse 1950, der Wiener Frühjahrsmesse sowie der Deutschen Spielwaren-Fachmesse in Nürnberg (Sonderausstellung im Hotel Sterntor).

Vertriebspartner: Für den internationalen Auslieferungsvertrieb kooperierte der Verlag mit Vertretungen wie der Teko-Buchhandlung Th. Pawlak (Gladbeck/Westfalen) für Westdeutschland, Eugen Friedhuber für die Schweiz sowie Elfi Vacas (Meran) für Italien.


Künstlerisches Profil und Verlagsprogramm

Das Verlagsprogramm stützte sich auf die Zusammenarbeit mit namhaften Illustratorinnen und Autorinnen der Zeit. Zu den prägenden Künstlerinnen zählten Norberta von Bresslern-Roth, Hedwig zum Tobel, Gerti Mauser-Lichtl, Dorothea Denow und Felicitas Kuhn-Klapschy sowie die Textautorin Finni (Fanni) Sahling.


Zu den bekanntesten Werken und Serien gehörten:

Hänsel u. Gretel: Ein erfolgreiches Bilderbuch der 1950er Jahre mit Illustrationen von Felicitas Kuhn-Klapschy und Versen von Finni Sahling (16 Seiten, abwechselnd 2- und 4-farbig, Format 23,5 × 21,5 cm).
Der kleine Zoo: Eine Tiergeschichten-Reihe von Gerti Mauser-Lichtl und Finni Sahling mit Figuren wie Simba (Löwe), Mambo (Tiger), Jumbo (Elefant), Teddy (Braunbär), Lorry (Papagei), Lizzy (Giraffe), Pongy (Pinguin), Jimmy (Äffchen), Leppo (Leopard), Sheila (Kamel) und weiteren.
Märchenhefte: Eine Reihe von Gerti Mauser-Lichtl gestalteter Kleinformat-Hefte (12 × 11,7 cm, 20 Seiten) mit Märchenklassikern wie Schneewittchen, Der Froschkönig, Rotkäppchen, Die Bremer Stadtmusikanten, Aschenbrödel und Tischlein deck dich.
Weitere Titel (Verlagsangebot 1951): Das Osterhasenbuch, Der Fliegenpilz, Guckerl und Flummerlein, Die verlorenen Kindlein, Das Rappenbuch, Die drei Schweinchen, Der wunderbare Falter, Was willst du werden? und Kinder aus aller Welt.


Wirtschaftliche Krise, Ausgleich und Konkurs (1956–1959)

Gegen Ende der 1950er Jahre gerieten Verlag und Druckerei in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten:
Bürgschaft (1956): Im Dezember 1956 übernahm Alfred Mühlehner eine Bürgschaft im Ausgleichsverfahren der Welser Spielwarenhändlerin Rosina Schreiner.

Insolvenzen (1957): Am 22. Oktober 1957 wurde über das Vermögen von Alfred Mühlehner (Welser Bilderbuchverlag und Spielwarengroßhandel) das Ausgleichsverfahren eröffnet. Dieses scheiterte, weshalb am 4. Dezember 1957 der Anschlusskonkurs eröffnet wurde. Am selben Tag folgte auch die Eröffnung des Anschlusskonkurses über die Welser Offset-Druckerei Josef Mühlehner.

Zwangsausgleich und Sanierung (1958–1959): Am 20. August 1958 schloss Alfred Mühlehner mit seinen Gläubigern einen Zwangsausgleich ab (20 % Quote binnen 4 Wochen), der am 8. September 1958 gerichtlich bestätigt wurde. Der Konkurs über Alfred Mühlehner wurde am 21. Oktober 1958 aufgehoben. Der Konkurs der Druckerei von Josef Mühlehner wurde am 27. April 1959 nach Verteilung der Masse aufgehoben.


Übernahme und Nachwirkungen (ab 1965)

Im Jahr 1965 wurde der A. Mühlehner Verlag von der Verlagsbuchhandlung Julius Breitschopf übernommen.
In den folgenden Jahren lebten viele der Titel und Buchreihen in Ablegerverlagen sowie in Lizenzausgaben weiter:
Neben dem Welser Stammhaus bestanden Verbindungen zur A. Mühlehner KG. Bilderbuchverlag München und zum Verlag Elisabeth Mühlehner in Au bei Bad Aibling.
Reihen wie Der kleine Zoo erschienen ab 1965 bei verschiedenen Verlagen im In- und Ausland (u. a. Maxi Verlag Zürich, Bildschriftenverlag BSV, Uitgeverij De Goudvink in Belgien sowie Verlag Eugen Friedhuber in Wels).
Einzelne populäre Titel wie Hänsel u. Gretel wurden noch Jahrzehnte später bei anderen Verlagen (z. B. 2014 im Gondolino Verlag) neu herausgebracht.


Hier eine chronologische vorläufige Zusammenstellung des Verlagsprogramm (zum vergrößern anklicken)






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