Schreibers Stehauf-Bilderbücher (1934–1966)
Historisch-bibliographische Dokumentation der europäischen Pop-up-Buchreihe
Einleitung
Die dreidimensionalen Stehauf-Bilderbücher des J. F. Schreiber Verlags zählen zu den bemerkenswertesten Entwicklungen der deutschsprachigen Kinderbuch-produktion der 1930er und frühen 1950er Jahre. Durch ihre Kombination aus farbiger Illustration, präzise konstruierten Papiermechanismen und internationaler Verbreitung nehmen sie innerhalb der europäischen Pop-up- und Kulissenbücher eine besondere Stellung ein. Während die meisten Veröffentlichungen dieser Zeit auf den deutschsprachigen Markt beschränkt blieben, entwickelte sich aus der Schreiber-Reihe bereits vor dem Zweiten Weltkrieg ein internationales Lizenzprogramm mit Ausgaben in Spanien, Italien, Frankreich, Schweden sowie später auch in Südafrika und im englischsprachigen Raum.
Die vorliegende Dokumentation verfolgt das Ziel, die Entwicklung dieser Buchreihe erstmals in einer zusammenhängenden historisch-bibliographischen Darstellung nachzuzeichnen. Im Mittelpunkt stehen sowohl die deutschen Originalausgaben als auch ihre internationalen Lizenzausgaben. Berücksichtigt werden die technische Entwicklung der Pop-up-Mechanik, die beteiligten Künstler, Autoren und Konstrukteure, die verlegerischen Beziehungen zwischen den einzelnen Ländern sowie die bibliographische Erfassung der bekannten Ausgaben.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Rekonstruktion der europäischen Verlags- und Lizenzgeschichte. Während die deutsche Reihe beim J. F. Schreiber Verlag in Esslingen entstand, wurden zahlreiche Titel nahezu unverändert von ausländischen Partnerverlagen übernommen. Dabei wurden die Illustrationen und Papiermechaniken häufig beibehalten, während Titel, Texte und teilweise auch die Reihenfolge der Veröffentlichungen an den jeweiligen Sprachraum angepasst wurden. Diese internationalen Ausgaben dokumentieren eindrucksvoll die grenzüberschreitende Zusammenarbeit europäischer Kinderbuchverlage in einer Zeit erheblicher politischer und wirtschaftlicher Umbrüche. Die Grundlage dieser Arbeit bilden in erster Linie Primärquellen. Hierzu zählen erhaltene Originalausgaben der verschiedenen Länder, zeitgenössische Verlagsverzeichnisse, Impressen, historische Gebrauchsmuster (D.R.G.M.), Bibliothekskataloge sowie bibliographische Standardwerke. Ergänzend wurden internationale Bibliotheksbestände, Antiquariatskataloge und wissenschaftliche Spezialliteratur herangezogen, um einzelne Titel und Ausgaben miteinander vergleichen und ihre Verbreitung nachvollziehen zu können. Wo Aussagen ausschließlich aus erhaltenen Exemplaren oder bibliographischen Vergleichen abgeleitet werden, wird dies im Text ausdrücklich kenntlich gemacht. Die Untersuchung versteht sich ausdrücklich als historisch-bibliographische Dokumentation. Ziel ist nicht die kunsthistorische Bewertung einzelner Illustratoren oder eine vollständige Verlagsgeschichte des J. F. Schreiber Verlags, sondern die möglichst präzise Rekonstruktion einer bislang nur fragmentarisch erforschten Bilderbuchreihe. Gleichzeitig werden offene Forschungsfragen benannt. Hierzu gehören insbesondere einzelne Illustratorenzuschreibungen, die Funktion verschiedener Mitwirkender innerhalb der Produktion sowie bislang nicht archivalisch nachweisbare Produktionsabläufe. Diese Punkte werden bewusst von den gesicherten Erkenntnissen getrennt dargestellt. Die internationale Verbreitung der Stehauf-Bilderbücher verdeutlicht, dass diese Publikationen weit über den Charakter einfacher Kinderspielbücher hinausgingen. Sie dokumentieren die Verbindung von Papiertechnik, Illustrationskunst und verlegerischer Zusammenarbeit in mehreren europäischen Ländern und bilden damit ein bedeutendes Kapitel der Geschichte beweglicher Kinderbücher des 20. Jahrhunderts.
Die technische Entwicklung der Schreiber-Stehauf-Bilderbücher
Papiermechanik, D.R.G.M.-Schutzrechte und die Rolle Josef Scheidts
Die Schreiber-Stehauf-Bilderbücher gehören zu jener Generation beweglicher Kinderbücher, die in den 1930er Jahren die traditionelle Bilderbuchillustration um dreidimensionale Papierkonstruktionen erweiterten. Während frühere Aufstell- und Kulissenbücher meist aus einzelnen, lose miteinander verbundenen Bildtafeln bestanden, zeichnete sich die Schreiber-Reihe durch eine technisch weiterentwickelte Faltmechanik aus. Durch präzise gestanzte und miteinander verbundene Kartonelemente entstanden beim Öffnen des Buches mehrschichtige Raumkulissen, die den Eindruck einer kleinen Theaterbühne vermittelten. Diese Konstruktionen verbanden illustratives Erzählen mit papiertechnischer Präzision und stellten hohe Anforderungen an Entwurf, Stanzung und Montage. Die Entwicklung dieser Mechanik erfolgte in einer Zeit intensiver Innovationen im Bereich der Papierverarbeitung. Zwischen Mitte der 1930er Jahre und den ersten Nachkriegsjahren entstanden zahlreiche neue Lösungen für bewegliche Druckerzeugnisse, Werbemittel und Spielbücher. Innerhalb dieses Umfeldes wurden auch für die Schreiber-Stehauf-Bilderbücher mehrere technische Schutzrechte angemeldet, die die Konstruktion der aufstellbaren Kulissen sowie deren Falt- und Stanzmechanismen absicherten. Diese Schutzrechte wurden als Deutsches Reichsgebrauchsmuster (D.R.G.M.) registriert und bilden heute einen der wichtigsten Primärnachweise für die technische Entwicklung der Reihe. Die im Zusammenhang mit den Stehauf-Bilderbüchern nachgewiesenen Gebrauchsmuster wurden von Josef Scheidt, Diplom-Kaufmann aus Berlin-Steglitz, angemeldet. Die erhaltenen Registereinträge dokumentieren die kontinuierliche Weiterentwicklung verschiedener Falt- und Aufstellmechanismen zwischen 1934 und 1940 und weitere Jahre. Die Schutzrechte betreffen unter anderem plastisch wirkende Stanzprospekte, mehrfach gefalzte Kulissenkonstruktionen sowie Bücher mit stufenförmig ausschwenkbaren Bilddarstellungen. Die technische Entwicklung lässt erkennen, dass nicht eine einzelne Erfindung, sondern mehrere aufeinander aufbauende Konstruktionen zur späteren Ausgestaltung der Stehauf-Bilderbücher beitrugen.
Nachgewiesene D.R.G.M.-Eintragungen
Die bislang für die Stehauf-Bilderbücher belegten Gebrauchsmuster umfassen unter anderem folgende Eintragungen:
D.R.G.M.
| Anmeldetag
| Kurzbeschreibung
|
1302855 | 22.März 1934 | Stufenprospekt |
1322159 | 04.Oktober 1934 | Stanzprospekt |
1337135
| 5. März 1935
| Plastisch wirkendes Stanzprospekt
|
1340388
| 28. März 1935
| Prospekt mit vertikal angeordneten Stanzfiguren
|
1382829
| 5. Juni 1936
| Dreiteilig gefalzter Prospekt mit plastisch hervortretenden Darstellungen
|
1372279
| 31. Januar 1936
| Faltschachtel mit Verwendung als Spielzeug
|
1428112
| 19. Oktober 1937
| Buch mit stufenförmig ausschwenkbaren Darstellungen
|
1449751
| 30. Juni 1938
| Bilderbuch mit panoramaartiger Wirkung
|
1468430 | 06.April 1939 | Buch mit untereinander angeordneten, beliebig entfaltbaren Zwickelbildern |
1471043 | 22.Mai 1939 | Buch mit gerade und schräg angeordneten ausschwenkbaren Bilddarstellungen |
1471377 | 06.Mai 1939 | Buch mit an- und eingeschnittenen Zwickelbildern |
1497151 | 11.November 1940 | Stanzprospekt mit vor- und übereinander gelagerten Bilddarstellungen |
1497155 | 18.Dezember 1940 | Prospekt im Hochformat mit plastisch wirkenden Bilddarstellungen
|
1497406 | 10.Dezember 1940 | Bilderheft mit ausbrechbaren Gebilden |
Diese Eintragungen zeigen, dass sich die Entwicklung der Mechanik über mehrere Jahre erstreckte und fortlaufend verfeinert wurde. Die verschiedenen Gebrauchsmuster ergänzen einander und dokumentieren die Suche nach technisch stabilen und zugleich leicht zu montierenden Papierkonstruktionen.
Josef Scheidt und die technische Entwicklung
Die D.R.G.M.-Register belegen Josef Scheidt als Anmelder der technischen Schutzrechte. Darüber hinaus erscheint sein Name in zahlreichen deutschen Nachkriegsausgaben der Schreiber-Stehauf-Bilderbücher sowie in bibliographischen Nachweisen der Reihe. Daraus ergibt sich, dass Scheidt über einen längeren Zeitraum an der technischen und verlegerischen Entwicklung der Bücher beteiligt war. Die vorhandenen Quellen erlauben es, ihm eine zentrale Rolle bei der Konstruktion der Papiermechanik zuzuschreiben.
Technische Bedeutung der Schreiber-Reihe
Die Schreiber-Stehauf-Bilderbücher gehören zu den frühesten europäischen Kinderbüchern, bei denen Illustration, Text und Papiermechanik konsequent zu einem räumlichen Gesamteindruck verbunden wurden. Die dreidimensionalen Kulissen entstanden nicht als nachträgliche Ergänzung der Illustrationen, sondern wurden bereits während der Entwurfsphase in die Bildgestaltung einbezogen. Dadurch unterscheiden sich die Bücher von vielen zeitgenössischen Aufstellbüchern, deren bewegliche Elemente häufig lediglich dekorativen Charakter besaßen. Die technische Qualität der Konstruktionen trug wesentlich dazu bei, dass zahlreiche Titel bereits vor dem Zweiten Weltkrieg von auslän-dischen Verlagen übernommen wurden. Die spanischen, italienischen, schwedischen, französischen und englischen Ausgaben zeigen, dass die zugrunde liegenden Mechaniken weitgehend unverändert übernommen werden konnten, während Texte und Titel an den jeweiligen Sprachraum angepasst wurden. Diese internationale Verbreitung unter-streicht die hohe technische Reife der von Schreiber entwickelten Papierkonstruktionen und bildet eine wesentliche Grundlage für die außergewöhnliche Stellung der Reihe innerhalb der europäischen Pop-up-Buchgeschichte.
Künstler, Autoren und technische Mitwirkende
Zur Quellenlage
Die Schreiber-Stehauf-Bilderbücher entstanden durch das Zusammenwirken verschiedener Illustratoren, Autoren und technischer Konstrukteure. Während einzelne Mitwirkende bereits in den Originalausgaben namentlich genannt oder durch Signaturen eindeutig nachweisbar sind, lassen sich andere Zuschreibungen bislang nur durch bibliographische Vergleiche oder erhaltene Exemplare rekonstruieren. Hinzu kommt, dass der J. F. Schreiber Verlag Illustratoren und technische Mitarbeiter nicht bei allen Ausgaben im Impressum aufführte. Für einige Personen bleibt die Quellenlage daher unvollständig. Im Folgenden werden ausschließlich diejenigen Mitwirkenden behandelt, deren Verbindung zur Reihe durch Primärquellen, bibliographische Nachweise oder erhaltene Originalausgaben belegt oder mit hoher Wahrscheinlichkeit nachvollziehbar ist. Wo eine Zuschreibung bislang nicht eindeutig bestätigt werden konnte, wird dies ausdrücklich kenntlich gemacht.
Josef Scheidt (Technische Entwicklung und Konstruktion)
Die nachgewiesenen D.R.G.M.-Eintragungen belegen Josef Scheidt als Anmelder mehrerer Gebrauchsmuster für bewegliche Papierkonstruktionen, die zwischen 1934 und 1940 registriert wurden. Diese Schutzrechte betreffen zentrale Elemente der späteren Stehauf-Bilderbücher und dokumentieren seine maßgebliche Beteiligung an der Entwicklung der Falt- und Aufstellmechanik. Sein Name erscheint darüber hinaus auf zahlreichen deutschen Nachkriegsausgaben sowie in bibliographischen Nachweisen der Reihe. Dies spricht für eine langfristige Mitwirkung an der technischen Entwicklung und Produktion der Schreiber-Stehauf-Bilderbücher. Die häufig anzutreffenden Bezeichnungen „Chef-Papieringenieur“, „Gesamtgestalter“ oder „künstlerischer Leiter“ konnten bislang jedoch nicht durch zeitgenössische Verlagsunterlagen bestätigt werden. Aus heutiger Sicht lässt sich daher mit Sicherheit feststellen, dass Josef Scheidt Konstrukteur der nachgewiesenen Papiermechaniken und ein zentraler technischer Mitwirkender der Reihe war; weitergehende organisatorische Funktionen bleiben Gegenstand zukünftiger Forschungen.
Mary Leuschner (Illustratorin der Vorkriegs- und Exportausgaben)
Mary Leuschner zählt zu den wichtigsten Illustratorinnen innerhalb der Schreiber-Stehauf-Bilderbücher. Ihre Urheberschaft ist insbesondere für die Bände Nr. 323 „Von Hasen und Hasenkindern“ sowie Nr. 324 „Frohe Fahrt!“ durch Originalausgaben und bibliographische Nachweise gesichert. Beide Werke erschienen erstmals 1938 und wurden in zahlreiche internationale Lizenzausgaben übernommen. Die erhaltenen spanischen, italienischen, französischen, niederländischen und schwedischen Ausgaben zeigen, dass ihre Illustrationen weitgehend unverändert übernommen wurden. Lediglich Titel, Texte und Reihenbezeichnungen wurden an den jeweiligen Sprachraum angepasst. Damit gehören ihre Arbeiten zu den am weitesten verbreiteten Illustrationen innerhalb der gesamten Schreiber-Reihe. Charakteristisch für ihre Bildsprache sind anthropomorph dargestellte Tiere, lebendige Alltagsszenen sowie eine sorgfältig auf die räumliche Wirkung der Papierkulissen abgestimmte Komposition. Gerade diese Verbindung von Illustration und dreidimensionaler Konstruktion trug wesentlich zur internationalen Verbreitung der beiden Titel bei.
Giovanni Battista Conti (G. B. Conti) (Illustrator der italienischen Tier- und Zirkusmotive)
Die Signatur „Conti“ beziehungsweise „G. B. Conti“ findet sich auf mehreren italienischen Stehauf-Bilderbüchern. Gesichert ist seine Mitarbeit unter anderem an den Ausgaben Nello Zoo, Il Circo und Le avventure di Pinocchio.
Seine Illustrationen zeichnen sich durch eine realistische Tierdarstellung und bewegte Figurenszenen aus, die sich besonders für die räumliche Wirkung der aufklappbaren Kulissen eigneten. Mehrere internationale Bibliotheks- und Antiquariatsnachweise bestätigen seine Beteiligung an diesen Ausgaben.
Ellen Fechner (Autorin der Verse)
Ellen Fechner verfasste die Verse zu mehreren Schreiber-Stehauf-Bilderbüchern der Vorkriegszeit. Nachgewiesen ist ihre Mitarbeit insbesondere an den Bänden Im Zoo, Von Hasen und Hasenkindern, Frohe Fahrt! sowie Hallo! Meine Eisenbahn! Ihre gereimten Texte verbinden die einzelnen Kulissen zu einer fortlaufenden Erzählung und bilden damit einen wesentlichen Bestandteil der ursprünglichen Konzeption der Reihe. In zahlreichen ausländischen Lizenzausgaben wurden die Illustrationen beibehalten, während die Verse in die jeweilige Landessprache übertragen wurden.
Richard Friese (Zuschreibung des Monogramms „R. F.“)
Auf mehreren deutschen Stehauf-Bilderbüchern erscheint das Monogramm „R. F.“. Aufgrund stilistischer Merkmale und bibliographischer Vergleiche wird dieses Monogramm häufig dem Tiermaler Richard Friese zugeschrieben. Hierzu zählen insbesondere die Bände Deutsche Soldaten, Hallo! Meine Eisenbahn! sowie Teile der Nachkriegsausgaben. Ein ausdrücklicher zeitgenössischer Verlagsnachweis, der das Monogramm eindeutig Richard Friese zuordnet, konnte bislang jedoch nicht ermittelt werden. Die Zuschreibung erscheint plausibel, sollte aus wissenschaftlicher Sicht jedoch als vorläufig betrachtet werden.
Georg Josefowski (Nachkriegsillustrationen)
Georg Josefowski war an mehreren Nachkriegsausgaben der Stehauf-Bilderbücher beteiligt. Seine Illustrationen finden sich unter anderem in den Bänden Jahrmarkt, Hallo – mein Auto!, Hans im Glück sowie Der Froschkönig.
Sein Stil unterscheidet sich deutlich von den Vorkriegsillustrationen. Klare Konturen, kräftigere Farbflächen und eine modernere Figurenauffassung spiegeln die gestalterischen Veränderungen der frühen Nachkriegszeit wider.
Carl (Karl) Schmauk (12.01.1868-11.09.1946)
Im Zuge der Untersuchung der Schreiber-Stehauf-Bilderbücher konnte das auf mehreren Illustrationen vorhandene Monogramm „C. Sch.“ anhand des Monogrammlexikons (Franz Goldstein, Paul Pfisterer, Ruth und Hermann Kähler) eindeutig Carl (Karl) Schmauk zugeordnet werden. Das Monogrammlexikon gilt als eines der wichtigsten Nachschlagewerke zur Identifizierung von Künstler- und Illustratorenmonogrammen des 19. und 20. Jahrhunderts.
Carl (Karl) Schmauk zählt zu den bedeutenden deutschen Illustratoren des frühen 20. Jahrhunderts. Er schuf zahlreiche Illustrationen für Kinder- und Märchenbücher sowie für Jugendbücher unterschiedlicher Verlage. Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine fein ausgearbeitete Figurenmalerei, harmonische Farbgebung und einen romantisch-historisierenden Bildstil aus. Für den J. F. Schreiber-Verlag ist seine Mitarbeit inzwischen ebenfalls nachweisbar. Carl Schmauk entwarf unter anderem die Titelillustrationen der Stehauf-Bilderbücher Nr. 301 „Rotkäppchen – Schneewittchen“, Nr. 303 „Dornröschen – Der gestiefelte Kater“, Nr. 304 „Aschenbrödel – Daumesdick“ sowie Nr. 307 „Hänsel und Gretel – Der Wolf und die sieben Geißlein“. Darüber hinaus belegen bibliographische Quellen, dass Schmauk bereits vor seiner Zusammenarbeit mit Schreiber zahlreiche Märchenillustrationen für andere Verlage schuf. Besonders hervorzuheben sind die Märchensammlung „Goldene Märchenpracht. Eine Festgabe für die Jugend“ sowie weitere Märchenbücher aus dem Verlag W. Nitzschke bzw. August Brettinger. Nach der Übernahme dieser Verlagsbestände durch den J. F. Schreiber-Verlag wurden verschiedene Illustrationen und Druckvorlagen weiterverwendet, so dass ein Teil von Schmauks Werk auch in späteren Schreiber-Ausgaben nachweisbar ist.
Die laufenden Recherchen deuten darauf hin, dass einzelne von Schmauk geschaffene Märchenillustrationen mehrfach verwendet wurden. Ob auch die Titelbilder der Schreiber-Stehauf-Bilderbücher ursprünglich für ältere Märchenausgaben entstanden und später übernommen wurden, ist bislang jedoch noch nicht eindeutig durch erhaltene Originalausgaben oder Digitalisate belegt und bleibt Gegenstand weiterer Untersuchungen.
Die Entwicklung der Schreiber-Stehauf-Bilderbücher
Von den ersten Ausgaben zur internationalen Lizenzreihe
Die Geschichte der Schreiber-Stehauf-Bilderbücher lässt sich in mehrere Entwicklungsabschnitte gliedern, die sowohl durch technische Innovationen als auch durch die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ihrer Zeit geprägt wurden. Zwischen den ersten Veröffentlichungen Mitte der 1930er Jahre und den Nachkriegsausgaben der frühen 1950er Jahre wandelte sich die Reihe von einer nationalen Neuerscheinung zu einer international verbreiteten Bilderbuchserie, deren Ausgaben in zahlreichen europäischen Ländern erschienen. Obwohl sich Gestaltung, Nummerierung und Ausstattung im Laufe der Jahre mehrfach änderten, blieb das grundlegende Prinzip der dreidimensionalen Papierkulissen über den gesamten Erscheinungszeitraum erhalten. Gerade diese technische Kontinuität ermöglichte es, zahlreiche Titel über mehrere Jahre hinweg immer wieder neu aufzulegen und für unterschiedliche Sprachräume anzupassen.
Die Anfänge der Reihe (1934–1940)
Die Entwicklung der Stehauf-Bilderbücher begann in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre. Grundlage bildeten die von Josef Scheidt entwickelten und durch mehrere D.R.G.M.-Eintragungen geschützten Papiermechaniken, die den Aufbau räumlicher Kulissen innerhalb eines gebundenen Bilderbuches ermöglichten. Diese Konstruktionen unterschieden sich deutlich von den bis dahin üblichen Klapp- und Ziehbüchern und eröffneten neue Möglichkeiten der räumlichen Bildgestaltung. Zu den frühesten Veröffentlichungen gehörten zunächst die vier Märchenbände der Nummern 301 bis 307, die jeweils zwei klassische Grimm-Märchen miteinander kombinierten. Kurz darauf folgte die thematische Erweiterung der Reihe um naturkundliche, technische und alltägliche Motive. Hierzu zählen unter anderem Im Zoo, Kaufladen und Puppenhaus, Von Hasen und Hasenkindern, Frohe Fahrt!, Deutsche Soldaten, Hallo! Meine Eisenbahn! sowie Hallo – mein Auto!. Einen unmittelbaren zeitgenössischen Nachweis für die frühe Vermarktung der Reihe liefern mehrere vom J. F. Schreiber Verlag in den Jahren 1937 und 1938 in der Zeitschrift Fliegende Blätter geschaltete Verlagsanzeigen. Darin werden die Stehauf-Bilderbücher als verlegerische Neuheit mit ihrer räumlichen Papiermechanik beworben. Die Anzeigen dokumentieren sowohl die frühe Titelpalette als auch die werbliche Hervorhebung der selbsttätig aufstellenden Figuren und bestätigen damit die bereits kurz nach ihrer Einführung angestrebte breite Vermarktung. Bereits diese frühen Ausgaben zeigen den hohen technischen Anspruch der Reihe. Die Illustrationen wurden nicht lediglich auf bewegliche Elemente aufgebracht, sondern waren von Anfang an auf die räumliche Wirkung der Kulissen abgestimmt. Dadurch entstand beim Öffnen des Buches der Eindruck kleiner Bühnenbilder, die den Betrachter in die dargestellten Szenen hineinführten.
Internationale Verbreitung vor dem Zweiten Weltkrieg
Schon kurze Zeit nach ihrem Erscheinen wurden mehrere Titel für den Export vorbereitet. Zu den ersten ausländischen Lizenzpartnern gehörte die Editorial Selva in Barcelona, die unter der Reihenbezeichnung Colección Álbumes Relieve Selva eine eigene spanischsprachige Ausgabe veröffentlichte. Die bekannten Originalausgaben dokumentieren mindestens acht nummerierte Titel (Tomo I–VIII), deren Illustrationen und Papiermechaniken weitgehend den deutschen Vorlagen entsprechen. Lediglich Titel, Texte und teilweise die Reihenfolge der Veröffentlichung wurden an den spanischen Markt angepasst. Diese frühe Lizenzvergabe verdeutlicht, dass die Schreiber-Stehauf-Bilderbücher bereits wenige Jahre nach ihrer Einführung nicht mehr ausschließlich für den deutschen Markt produziert wurden. Die Reihe entwickelte sich vielmehr zu einem internationalen Verlagsprojekt, dessen technische Qualität und künstlerische Gestaltung auch im Ausland auf großes Interesse stießen.
Die Kriegsjahre (1940–1945)
Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs veränderten sich die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für die Buchproduktion erheblich. Dennoch blieb die internationale Verbreitung der Stehauf-Bilderbücher zunächst bestehen. In Italien erschienen mehrere Ausgaben bei der Editrice Mediterranea in Rom. Die bekannten Titel orientieren sich deutlich an den deutschen und spanischen Vorlagen, weisen jedoch eine eigene Nummerierung auf. Neben Tier- und Märchenthemen wurden dort auch zeitgebundene Veröffentlichungen wie I nostri soldati und Vinceremo publiziert, deren Bildsprache den politischen Verhältnissen der Kriegsjahre Rechnung trägt. Auch in Schweden erschienen während dieser Zeit Lizenzausgaben unter den Reihenbezeichnungen Plastisk Bilderbok beziehungsweise im Verlag E. Hadorph (Helsingbörg). Als neutrales Land konnte Schweden den Vertrieb beweglicher Bilderbücher während des Krieges fortsetzen. Die dortigen Ausgaben zeigen, dass die Papiermechaniken und Illustrationen nahezu unverändert übernommen wurden, während die Texte vollständig ins Schwedische übertragen wurden. Diese internationalen Ausgaben dokumentieren eindrucksvoll, dass die Schreiber-Stehauf-Bilderbücher trotz der politischen Spannungen weiterhin grenzüberschreitend verbreitet wurden. Die technische Konstruktion der Bücher blieb dabei weitgehend unverändert, während sprachliche und verlegerische Anpassungen den jeweiligen nationalen Märkten vorbehalten waren.
Neubeginn nach 1945
Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann auch für den J. F. Schreiber Verlag eine Phase des Neuaufbaus. Zahlreiche Verlagsprogramme wurden überarbeitet und an die veränderten politischen Rahmenbedingungen angepasst. Zeitgebundene Veröffentlichungen verschwanden aus den Programmen, während unpolitische Kinderbücher erneut aufgelegt oder gestalterisch überarbeitet wurden. Die erhaltenen Nachkriegsausgaben zeigen, dass zahlreiche Motive der Vorkriegszeit weiterhin verwendet wurden. Insbesondere Im Zoo, Von Hasen und Hasenkindern, Frohe Fahrt! sowie Kaufladen und Puppenhaus erschienen erneut in überarbeiteter Form. Illustrationen und Papiermechaniken stimmen dabei häufig weitgehend mit den früheren Ausgaben überein, während Umschläge, Nummerierungen und teilweise auch Texte modernisiert wurden. Für eine gezielte Vernichtung der ursprünglichen Druckplatten konnte bislang jedoch kein eindeutiger archivalischer Nachweis erbracht werden. Die Wiederverwendung bestehender Illustrationen und Konstruktionen lässt vielmehr auf eine teilweise Fortführung vorhandener Produktionsgrundlagen schließen. Auch die Materialqualität vieler Nachkriegsausgaben unterscheidet sich von den Vorkriegsproduktionen. Zahlreiche erhaltene Exemplare weisen einfachere Kartonqualitäten auf, was mit der allgemeinen Rohstoffknappheit der unmittelbaren Nachkriegsjahre in Einklang steht. Ein spezieller Verlagsnachweis über die Verwendung bestimmter Kartonsorten liegt derzeit jedoch nicht vor.
Die Neuordnung der Reihe (ab 1949)
Mit den Verlagsverzeichnissen der späten 1940er Jahre beginnt eine umfassende Neuorganisation der Stehauf-Bilderbücher. Die bekannten Nachkriegsausgaben erscheinen nun überwiegend unter einer vierstelligen Nummerierung mit führender Null. Titel wie 0117 Märchenland – Wunderland, 0121 Im Tierpark, 0184 Vier Märchen oder 0193 Kaufladen und Puppenhaus dokumentieren diese Neugliederung des Programms. Die Umstellung erfolgte vermutlich schrittweise und erstreckte sich über mehrere Jahre. Während einzelne Motive nahezu unverändert übernommen wurden, entstanden gleichzeitig neue Themen und Illustrationen, die den gestalterischen Wandel der Nachkriegszeit widerspiegeln. Besonders deutlich wird dies bei den Arbeiten Georg Josefowskis und anderer Nachkriegsillustratoren, deren Bildsprache sich sichtbar von den Vorkriegsausgaben unterscheidet.Die internationale Verbreitung setzte sich auch in dieser Phase fort. Neben europäischen Lizenzausgaben entstanden nun verstärkt Exportversionen für den englischsprachigen Raum sowie für Südafrika. Damit entwickelte sich die ursprünglich deutsche Buchreihe endgültig zu einem internationalen Verlagsprojekt, dessen Wirkung weit über die Grenzen des deutschsprachigen Raumes hinausreichte.
Fortführung der Reihe in den Verlagskatalogen 1953–1966
Die historischen Schreiber-Kataloge der Jahre 1953, 1958 sowie 1965/66 dokumentieren, dass die Stehauf-Bilderbücher über die eigentliche Nachkriegsneuordnung hinaus noch mehr als ein Jahrzehnt fester Bestandteil des Verlagsprogramms blieben. Während der Katalog von 1953 die Reihe ausführlich beschreibt und neben den bereits bekannten Titeln auch die Neuerscheinung Mein Puppenhaus (Nr. 01133) aufführt, zeigt sich 1958 bereits eine stärkere Gliederung in verschiedene Serien (Serie St 1 und Serie St 2). Die Grundkonzeption der dreidimensionalen Aufstellbilder blieb dabei unverändert erhalten, obwohl einzelne Formate und Ausstattungen innerhalb der Reihen differenziert wurden. Der Katalog 1965/66 belegt schließlich die letzte nachweisbare Aufnahme der Stehauf-Bücher in das reguläre Schreiber-Verlagsprogramm. Zu diesem Zeitpunkt wurden nur noch wenige Titel angeboten, darunter Vier Märchen (Nr. 0184), Im Zoo (Nr. 0191), Frohe Fahrt (Nr. 0195) sowie Hallo, meine Eisenbahn! (Nr. 01104). Gleichzeitig erscheint die Reihe nun innerhalb der Rubrik „Beschäftigungsbücher“, was auf eine veränderte verlegerische Einordnung gegenüber den frühen Nachkriegskatalogen hinweist. Nach dem derzeit bekannten Quellenbestand verschwinden die klassischen Stehauf-Bilderbücher nach dem Katalog 1965/66 aus den allgemeinen Schreiber-Verlagsverzeichnissen. Damit endet die über nahezu drei Jahrzehnte nachweisbare kontinuierliche Katalogpräsenz dieser Buchreihe.
Die internationalen Lizenzausgaben
Die europäische Verbreitung der Schreiber-Stehauf-Bilderbücher
Die Schreiber-Stehauf-Bilderbücher zählen zu den wenigen deutschsprachigen Kinderbuchreihen der Vorkriegszeit, deren Verbreitung bereits wenige Jahre nach ihrer Einführung mehrere europäische Länder umfasste. Während viele zeitgenössische Bilderbücher ausschließlich für den deutschen Buchmarkt produziert wurden, entwickelte der J. F. Schreiber Verlag frühzeitig ein internationales Lizenzsystem, bei dem Illustrationen, Papiermechaniken und oftmals auch der gesamte Seitenaufbau übernommen wurden. Lediglich Texte, Titel und teilweise die Reihenfolge der Veröffentlichungen wurden an die jeweiligen Sprachräume angepasst. Diese Form der internationalen Zusammenarbeit war in den 1930er Jahren keineswegs selbstverständlich. Die Herstellung beweglicher Bilderbücher erforderte spezielle Stanzwerkzeuge, präzise Faltmechaniken und eine aufwendige manuelle Montage. Statt diese technisch anspruchsvollen Produktionsverfahren in jedem Land neu aufzubauen, griffen zahlreiche ausländische Verlage auf die bereits entwickelten Konstruktionen des J. F. Schreiber Verlags zurück. Dadurch konnten qualitativ hochwertige Ausgaben entstehen, deren technische Ausführung in allen beteiligten Ländern weitgehend identisch blieb.
Die heute bekannten Lizenzausgaben lassen erkennen, dass sich die internationale Verbreitung über mehrere Entwicklungsstufen vollzog. Während zunächst Spanien als erster ausländischer Partner auftrat, folgten wenig später Italien und Schweden. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden darüber hinaus Ausgaben für Südafrika sowie für den englischsprachigen und französischen Markt. Gemeinsam dokumentieren diese Veröffentlichungen ein europaweites Verlagsnetzwerk, dessen Ausmaß in der bisherigen Forschung nur teilweise berücksichtigt wurde. Obwohl sich die einzelnen Reihen in Titelgebung, Nummerierung und verlegerischer Gestaltung unterscheiden, beruhen sie auf denselben technischen und künstlerischen Grundlagen. Gerade dieser Zusammenhang ermöglicht es, die Entwicklung der Schreiber-Stehauf-Bilderbücher nicht nur als Geschichte eines einzelnen Verlages, sondern als Beispiel eines frühen internationalen Bilderbuchprojektes zu betrachten.
Spanien (Editorial Selva, Barcelona)
Die früheste bislang nachweisbare ausländische Lizenzreihe erschien bei der Editorial Selva in Barcelona unter dem Reihentitel Colección Álbumes Relieve Selva. Die bekannten Originalausgaben dokumentieren eine nummerierte Reihe mit mindestens acht Bänden (Tomo I bis Tomo VIII), die inhaltlich unmittelbar auf den deutschen Vorlagen beruhen.
Die spanischen Ausgaben übernehmen die Illustrationen und die dreidimensionalen Papiermechaniken nahezu unverändert. Anpassungen betreffen vor allem die spanischsprachigen Texte, die Titelblätter sowie teilweise die Reihenfolge der Nummerierung. Dadurch entstand keine eigenständige Neuentwicklung, sondern eine sorgfältig lokalisierte Ausgabe der deutschen Originalreihe.
Zu den nachgewiesenen Titeln gehören:
Band | Spanischer Titel | Deutsches Original |
Tomo I
| Buen Viaje
| Frohe Fahrt
|
Tomo II
| En el Parque Zoológico
| Im Zoo
|
Tomo III | Cuentos | Märchen |
Tomo IV
| Liebres y Liebrecillas
| Von Hasen und Hasenkindern
|
Tomo V
| La Vida en el Campo
| Ein Besuch auf dem Lande
|
Tomo VI | El circo | Der Zirkus |
Tomo VII | La Casa de Munecas | Kaufladen und Puppenhaus |
Tomo VIII
| Mi Ferrocarril
| Hallo! Meine Eisenbahn
|
Diese Titel zeigen bereits das Grundprinzip der internationalen Lizenzproduktion: Illustrationen und Mechanik blieben erhalten, während Texte und Titel an den spanischen Markt angepasst wurden.
Italien (Editrice Mediterranea, Rom)
Die italienischen Ausgaben erschienen bei der Editrice Mediterranea in Rom. Sie bilden die umfangreichste bekannte ausländische Lizenzreihe und umfassen sowohl Märchen- als auch Tier- und Alltagsszenen. Im Unterschied zur spanischen Ausgabe entwickelte der italienische Verlag ein eigenes Nummerierungssystem, wodurch sich die Reihenfolge der Titel teilweise deutlich von den deutschen Originalen unterscheidet. Besonders auffällig ist die Mitarbeit des Illustrators Giovanni Battista Conti (1878-1970), dessen Signatur auf mehreren Originalausgaben nachweisbar ist. Seine Illustrationen prägen insbesondere die Titel Nello Zoo, Il Circo und Le avventure di Pinocchio. Neben den unpolitischen Kinderbüchern erschienen während der Kriegsjahre auch die heute seltenen Ausgaben I nostri soldati und Vinceremo, deren Bildsprache den politischen Rahmenbedingungen der Zeit entspricht. Sie dokumentieren eine zeitgebundene Erweiterung der Reihe, ohne jedoch die technische Grundkonzeption der Schreiber-Stehauf-Bücher zu verändern.
Album | Titel | Deutscher Titel |
I | Nello zoo (1940) | Im Zoo |
II | Fiabe di Grimm (1941) / Fiabe (Variante) | Märchen |
III | Nel negozio e a Casa delle Bambole (1940)/Nel negozio e nella casa delle bambole (Variante) | Kaufladen und Puppenhaus |
IV | Buon viaggio / Allegro viaggio (Variante)(1943) | Frohe Fahrt |
V | Gesu Bambino (1943)/ Il Natale (Ill. Giambattista Conti) | Das Jesuskind / Weihnachtsband o.Nr. |
VI | nicht nachgewiesen | nicht nachgewiesen |
VII | Le lepri e i leprottini (1942) | Von Hasen und Hasenkindern |
VIII | L'auto (1941) | Hallo - Mein Auto |
IX | La ferrovia /Ecco il treno! (Variante)(1940) | Hallo - Meine Eisenbahn |
X | I nostri soldati (1941) | Unsere Soldaten |
XI | Vinceremo (1941) Druck: Istituto Geografico De Agostini, Novara | Wir werden siegen |
XII | Il circo (1943) Ill. Giambattista Conti | Der Zirkus |
XIII | Animali domestici (1943) | Haustiere |
XIV | Le avventure di Pinocchio (1943) Ill. Giambattista Conti | Pinocchio |
Schweden (E. Hadorph)
Die schwedischen Ausgaben erschienen unter der Reihenbezeichnung Plastisk Bilderbok bei E. Hadorph (Hälsingborg). Die bekannten Titel „Sagor“ und „Harfamiljen“ zeigen, dass die ursprünglichen Papiermechaniken nahezu unverändert übernommen wurden. Während Illustrationen und Kulissen identisch blieben, wurden sämtliche Texte ins Schwedische übertragen. Weitere Informationen sind z.Zt. nicht verfügbar.
Die südafrikanischen Ausgaben
Export nach Afrika und die Zusammenarbeit mit J. L. van Schaik
Während sich die europäischen Lizenzausgaben der Schreiber-Stehauf-Bilderbücher überwiegend auf die Jahre vor und während des Zweiten Weltkriegs konzentrieren, eröffneten sich dem J. F. Schreiber Verlag nach 1945 neue Absatzmärkte außerhalb Europas. Zu den bemerkenswertesten Beispielen dieser Entwicklung gehören die südafrikanischen Ausgaben, die beim Verlag J. L. van Schaik in Pretoria erschienen. Diese Veröffentlichungen dokumentieren nicht nur die internationale Verbreitung der Schreiber-Stehauf-Bilderbücher, sondern zugleich den Übergang von europäischen Lizenzproduktionen zu einer weltweiten Exportstrategie der unmittelbaren Nachkriegszeit. Anders als die europäischen Ausgaben entstanden sie in einem völlig anderen kulturellen und sprachlichen Umfeld und wurden gezielt für den südafrikanischen Buchmarkt bearbeitet.
Der Verlag J. L. van Schaik
Der Verlag J. L. van Schaik gehörte seit den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu den bedeutendsten Verlagen Südafrikas. Neben Schulbüchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen entstand dort nach dem Zweiten Weltkrieg auch eine Reihe hochwertiger Kinderbücher in Afrikaans. Für die technisch anspruchsvollen Stehauf-Bilderbücher griff der Verlag auf bereits entwickelte Konstruktionen des J. F. Schreiber Verlags zurück. Die erhaltenen Ausgaben sprechen dafür, dass die beweglichen Kulissen und Illustrationen aus Deutschland übernommen wurden, während Texte und verlegerische Ausstattung an den südafrikanischen Markt angepasst wurden.Diese Form der Zusammenarbeit entsprach einer im internationalen Verlagswesen häufig angewandten Praxis. Aufwendige Papiermechaniken mussten nicht vollständig neu entwickelt werden, sondern konnten auf Grundlage bereits vorhandener Konstruktionen wirtschaftlich weiter genutzt werden.
Die Bearbeitung durch A. E. Carinus
Eine zentrale Rolle innerhalb der südafrikanischen Ausgaben spielte die Schriftstellerin Aletta Elizabeth Carinus (A. E. Carinus). Ihre Aufgabe bestand nicht in einer wörtlichen Übersetzung der deutschen Verse, sondern in einer eigenständigen sprachlichen Bearbeitung für afrikaanssprachige Kinder. Die erhaltenen Ausgaben zeigen, dass die Illustrationen weitgehend unverändert übernommen wurden, während die Reimtexte vollständig neu gestaltet wurden. Dadurch entstanden keine bloßen Übersetzungen, sondern kulturell angepasste Neufassungen der ursprünglichen Bücher. Die Verbindung deutscher Illustrationen mit afrikanischen Sprachfassungen stellt innerhalb der Geschichte beweglicher Kinderbücher eine bemerkenswerte Form internationaler Zusammenarbeit dar.
Nachgewiesene Ausgaben
Die bislang sicher belegten südafrikanischen Veröffentlichungen umfassen mindestens drei Titel.
1.Hasies
Die Ausgabe Hasies basiert auf dem deutschen Original Von Hasen und Hasenkindern (Nr. 323).Die Illustrationen stammen weiterhin von Mary Leuschner, während die Verse von A. E. Carinus neu in Afrikaans bearbeitet wurden. Die bekannte Ausgabe besitzt einen Halbleinwandband mit vier aufklappbaren Kulissen und gehört heute zu den seltensten internationalen Varianten der Schreiber-Stehauf-Bilderbücher.
2.Sprokies
Lt. WorldCat in Afrikaans erschienen (dt. Titel: Märchen Nr. 320) 8 Seiten, 23x15 cm
3.In die Dieretuin
Lt. WorldCat in Afrikaans erschienen (dt.Titel: Im Zoo Nr. 321) 8 Seiten, 23x15cm
Da hier die Nr. 320,321 und 323 übernommen wurden ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass auch die Nr. 322 - Kaufladen und Puppenhaus übernommen wurde was aber bisher nicht nachgewiesen werden konnte.
Quellenlage
Die südafrikanischen Ausgaben gehören heute zu den seltensten Veröffentlichungen der gesamten Schreiber-Reihe.
Ihre Existenz wird durch mehrere voneinander unabhängige Quellen bestätigt.
Hierzu zählen insbesondere
- erhaltene Originalexemplare,
- Antiquariatskataloge,
- bibliographische Standardwerke,
- Archivbestände des Verlages J. L. van Schaik,
- südafrikanische Literaturarchive.
- WorldCat
Besonders wertvoll sind Exemplare, die den historischen Archivstempel des J. F. Schreiber Verlags tragen. Sie dokumentieren den Rückfluss einzelner Exportausgaben nach Deutschland und besitzen daher einen hohen dokumentarischen Wert.
Bedeutung
Die südafrikanischen Ausgaben verdeutlichen beispielhaft, wie erfolgreich sich die Schreiber-Stehauf-Bilderbücher nach dem Zweiten Weltkrieg auch außerhalb Europas etablieren konnten. Gleichzeitig zeigen sie, dass internationale Kinderbuchproduktionen nicht ausschließlich aus Übersetzungen bestanden, sondern häufig eigenständige kulturelle Bearbeitungen darstellten. Die Verbindung deutscher Illustrationen mit afrikaanssprachigen Versen macht diese Ausgaben zu einem bemerkenswerten Beispiel transnationaler Kinderbuchgeschichte.
Die englischsprachigen Exportausgaben
Schreibers plastical picture-books
Mit dem Wiederaufbau des internationalen Buchhandels nach dem Zweiten Weltkrieg gewann der Export hochwertiger Kinderbücher für den J. F. Schreiber Verlag zunehmend an Bedeutung. Neben den europäischen Lizenzausgaben entstanden nun auch vollständig englischsprachige Ausgaben, die unter der Reihenbezeichnung Schreibers plastical picture-books vertrieben wurden. Im Unterschied zu den südafrikanischen Büchern handelte es sich hierbei nicht um lokal bearbeitete Lizenzausgaben. Die bekannten Exemplare wurden vollständig in Deutschland hergestellt und anschließend in den englischsprachigen Buchhandel exportiert. Titel, Umschläge und Texte wurden bereits im Verlag für den internationalen Markt vorbereitet.
Internationale Vermarktung
Für die Exportreihe reduzierte der Verlag seine Firmenbezeichnung auf den international verständlichen Namen Schreibers. Die ursprünglichen deutschen Titel wurden vollständig ins Englische übertragen, während Illustrationen und Papiermechaniken unverändert blieben. Damit entstand eine Reihe, die technisch identisch mit den deutschen Originalen war, sich jedoch unmittelbar an englischsprachige Leser richtete.
Nachgewiesene Titel (Bislang sind drei Titel sicher belegt)
1.In the Zoological Garden
Entspricht Im Zoo Nr. 0191
2.Merchant's Shop and Baby-House
Entspricht Kaufladen und Puppenhaus Nr. 0193
3.Joyful Travelling
Entspricht Frohe Fahrt Nr. 0195
Alle drei Bücher übernehmen auch hier die bekannten Papiermechaniken und Illustrationen der deutschen Nachkriegs-ausgaben. Unterschiede bestehen lediglich in Sprache und verlegerischer Gestaltung.
Bibliographische Nachweise
Sie sind unter anderem nachgewiesen durch internationale Bibliothekskataloge, WorldCat, deutsche Bibliotheksbestände, Antiquariatsnachweise.
Bedeutung
Während die europäischen Lizenzreihen vor allem auf Zusammenarbeit mit ausländischen Verlagen beruhten, zeigen die englischen Bücher den Übergang zu einer unmittelbaren Exportstrategie des Esslinger Verlages. Damit erreichte die ursprünglich deutsche Bilderbuchreihe endgültig einen internationalen Markt. Die englischen Ausgaben dokumentieren zugleich die hohe technische Qualität der Schreiber-Konstruktionen, deren Papiermechaniken auch ohne grundlegende Veränderungen für den weltweiten Vertrieb geeignet waren.
Frankreich und die " Un livre en relief de „Schreiber“
Die französischen Ausgaben erschienen unter der Bezeichnung Un livre en relief de „Schreiber“ . Nachgewiesen sind bislang insbesondere die Titel :
1.Au Jardin Zoologique(Im Tierpark)
2.La Foire (Jahrmarkt)
3.Magasin et Maison de Poupee (Kaufladen und Puppenhaus)
Sie entsprechen in der Reihenfolge den deutschen Nummern 0121, 0170 und 0193 .
Neben den europäischen Lizenzausgaben entstanden nun auch französiche Ausgaben, die wie die englischen Exemplare vollständig in Deutschland hergestellt und anschließend in den französichen Buchhandel exportiert wurden. Titel, Umschläge und Texte wurden bereits im Verlag für den internationalen Markt vorbereitet.
Bibliographie der Schreiber-Stehauf-Bilderbücher
Aufbau des Werkverzeichnisses
Die folgende Bibliographie erfasst die derzeit bekannten Ausgaben der Schreiber-Stehauf-Bilderbücher sowie ihrer internationalen Lizenz- und Exportausgaben. Grundlage bilden erhaltene Originalexemplare, historische Verlagsverzeichnisse, Bibliothekskataloge sowie bibliographische Vergleichsquellen. Das Verzeichnis verfolgt nicht das Ziel, sämtliche bekannten Exemplare zu dokumentieren, sondern die bibliographische Entwicklung der Reihe nachvollziehbar darzustellen. Aus diesem Grund werden deutsche Originalausgaben, Nachkriegsausgaben sowie internationale Lizenzproduktionen getrennt behandelt.
Soweit möglich werden zu jedem Titel folgende Angaben gemacht:
- Verlagsnummer
- Originaltitel
- Verlag
- Erscheinungszeitraum
- Illustrator
- Textautor
- Technische Mitwirkung
- Nachgewiesene internationale Ausgaben
- Bemerkungen zur Quellenlage
Nicht eindeutig nachgewiesene Zuschreibungen werden ausdrücklich gekennzeichnet.
Anmerkung zur Vorkriegsreihe
Die Nummern 301 bis 327 bilden den Kern der ursprünglichen Schreiber-Stehauf-Bilderbücher. Bereits innerhalb dieser frühen Serie zeigt sich die Verbindung von Märchen-, Tier-, Technik- und Alltagsthemen, die für die weitere Entwicklung der Reihe prägend wurde. Während die technische Konstruktion weitgehend einheitlich blieb, arbeiteten mehrere Illustratoren und Autoren an den einzelnen Ausgaben mit. Bei einigen Titeln, insbesondere den Bänden mit dem Monogramm „R.F.“ versehenen Ausgaben, besteht hinsichtlich der Illustratorenzuschreibung weiterer Forschungsbedarf.
Die Nachkriegsproduktion
Die Nachkriegsausgaben zeigen sowohl Kontinuität als auch Erneuerung. Zahlreiche Vorkriegstitel wurden in überarbeiteter Form erneut veröffentlicht, gleichzeitig kamen neue Märchen- und Alltagsszenen hinzu. Besonders auffällig ist der verstärkte Einsatz neuer Illustratoren, deren Bildsprache den gestalterischen Wandel der frühen 1950er Jahre widerspiegelt.
Katalognachweise 1953–1966
Die erhaltenen Verlagskataloge erlauben eine außergewöhnlich genaue Rekonstruktion der Programmentwicklung. Der Katalog von 1953 dokumentiert die vollständige Nachkriegsreihe mit ausführlichen Beschreibungen, Formatangaben, Altersstufen und Verkaufspreisen. Hervorgehoben wird dabei ausdrücklich die plastische Wirkung der beim Aufschlagen selbsttätig aufgerichteten Figuren. Im Katalog von 1958 erscheint die Reihe bereits in zwei Serien gegliedert. Neben den bekannten Titeln der Serie St 2 werden in der Serie St 1 die größeren Formate Im Reich der Märchen sowie Ein Besuch auf dem Lande geführt. Neu aufgenommen wird außerdem Mein Puppenhaus (Nr. 01133), das die kontinuierliche Erweiterung des Programms belegt. Der Katalog 1965/66 dokumentiert schließlich eine deutliche Programmstraffung. Während frühere Verzeichnisse mehr als ein Dutzend Stehauf-Bücher aufführen, werden nun nur noch vier Titel angeboten. Nach den derzeit bekannten Verlagsunterlagen verschwindet die Reihe anschließend vollständig aus den regulären Katalogen des J. F. Schreiber Verlags.
Bibliographische Einordnung
Die derzeit bekannte Gesamtproduktion umfasst mindestens 60 nachweisbare nationale und internationale Ausgaben, wobei aufgrund neu auftauchender Exemplare mit weiteren Varianten zu rechnen ist. Besonders die ausländischen Lizenzproduktionen weisen zahlreiche Unterschiede in Nummerierung, Ausstattung und verlegerischer Gestaltung auf, während die zugrunde liegenden Illustrationen und Papiermechaniken häufig identisch geblieben sind.
Das Werkverzeichnis versteht sich daher ausdrücklich als Arbeitsverzeichnis nach dem derzeitigen Forschungsstand. Es bildet die Grundlage für zukünftige Ergänzungen und Korrekturen, sobald weitere Originalausgaben oder archivalische Quellen bekannt werden.
Die künstlerische Entwicklung der Schreiber-Stehauf-Bilderbücher
Illustration zwischen Tradition und Moderne
Die Schreiber-Stehauf-Bilderbücher verbinden die klassische Bilderbuchillustration des frühen 20. Jahrhunderts mit den technischen Möglichkeiten beweglicher Papierkonstruktionen. Während die Mechanik den räumlichen Eindruck erzeugt, bestimmen Illustration, Farbgebung und Komposition wesentlich die Wirkung der einzelnen Szenen. Erst das Zusammenspiel beider Elemente macht den besonderen Charakter dieser Bücher aus. Im Gegensatz zu zahlreichen zeitgenössischen Kinderbüchern entstanden die Illustrationen nicht unabhängig von der Konstruktion. Vielmehr mussten Bildaufbau und Papiermechanik bereits während der Entwurfsphase aufeinander abgestimmt werden. Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund bildeten eine gestalterische Einheit, deren räumliche Wirkung sich erst beim vollständigen Öffnen des Buches entfaltete.
Märchenwelten der Vorkriegszeit
Die frühesten Schreiber-Stehauf-Bilderbücher orientieren sich deutlich an der klassischen deutschen Märchenillustra-tion der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Historisierende Kleidung, romantische Landschaften und sorgfältig komponierte Figuren bestimmen den Bildaufbau der Märchenbände. Dabei stehen nicht spektakuläre Perspektiven im Vordergrund, sondern eine ruhige, bühnenartige Inszenierung. Die Kulissen erinnern häufig an Theaterdekorationen, deren räumliche Staffelung den erzählerischen Ablauf unterstützt. Gerade diese Nähe zur Bühnenarchitektur erklärt, weshalb sich die Illustrationen besonders gut für die dreidimensionalen Papiermechaniken eigneten.
Alltag, Technik und moderne Lebenswelten
Neben Märchenmotiven entwickelte sich bereits während der Vorkriegszeit eine zweite Bildwelt, die moderne Verkehrsmittel, Tiergärten, Spielzeug und Alltagsszenen zum Thema hatte. Titel wie Frohe Fahrt!, Hallo – meine Eisenbahn! oder Hallo – mein Auto! spiegeln die technische Begeisterung der späten 1930er Jahre wider. Automobile, Eisenbahnen, Flugzeuge und moderne Freizeitwelten erscheinen dabei nicht als bloße Sachillustrationen, sondern werden in erzählerische Szenen eingebunden, die den jungen Betrachtern eine aktive Teilnahme am Geschehen ermöglichen. Parallel hierzu entstanden Tier- und Naturdarstellungen, deren bekanntestes Beispiel die Illustrationen Mary Leuschners zu Von Hasen und Hasenkindern darstellen. Ihre anthropomorphen Tierfiguren verbinden humorvolle Erzählungen mit einer bemerkenswerten Beobachtungsgabe für Bewegung und Gestik.
Veränderungen nach 1945
Die Nachkriegsausgaben zeigen einen allmählichen Wandel der Illustrationsauffassung. Während zahlreiche Motive der Vorkriegszeit übernommen wurden, treten neue Illustratoren mit einer moderneren Formensprache hinzu.
Klare Konturen, vereinfachte Flächen und kräftigere Farben prägen insbesondere die Arbeiten Georg Josefowskis, Inge von Wangenheims und weiterer Nachkriegsillustra-toren. Gleichzeitig bleiben die Grundprinzipien der Schreiber-Stehauf-Bilder erhalten: Übersicht-lichkeit, räumliche Staffelung und die enge Verbindung von Illustration und Papiermechanik. Die Nach-kriegsreihe steht damit an der Schnittstelle zwischen der traditionellen Bilderbuchillustration der Zwischenkriegszeit und den stärker grafisch geprägten Kinderbüchern der 1950er Jahre.
Künstlerische Bedeutung
Die Schreiber-Stehauf-Bilderbücher dokumentieren beispielhaft die Entwicklung der europäischen Kinderbuchillustration über einen Zeitraum von nahezu zwei Jahrzehnten. Sie vereinen romantische Märchenbilder, realistische Tierdarstellungen und moderne Alltagsszenen innerhalb eines technisch innovativen Mediums. Gerade diese Verbindung unterschiedlicher Illustrationsstile mit einer einheitlichen Papiermechanik verleiht der Reihe ihre bis heute außergewöhnliche Stellung.
Herstellung, Materialität und Erhaltungszustand
Vom Entwurf zum fertigen Stehauf-Bilderbuch
Die Herstellung eines Stehauf-Bilderbuches gehörte zu den aufwendigsten Produktionsverfahren der damaligen Kinderbuchindustrie. Anders als gewöhnliche Bilderbücher entstanden die einzelnen Seiten nicht ausschließlich im Druckverfahren, sondern mussten zusätzlich gestanzt, gefalzt, montiert und teilweise von Hand verklebt werden.
Jede Kulisse bestand aus mehreren präzise aufeinander abgestimmten Kartonteilen. Bereits geringe Abweichungen beim Druck oder bei der Stanzung konnten dazu führen, dass sich die Mechanik nicht mehr korrekt entfaltete. Bereits die Werbeanzeigen des J. F. Schreiber Verlags in den Fliegenden Blättern der Jahre 1937 und 1938 stellen die dreidimensionale Papiermechanik als wesentliches Merkmal der Reihe heraus. Die Anzeigen werben mit Formulierungen wie „Beim Aufklappen treten die Figuren heraus und stellen sich selbsttätig auf“ beziehungsweise „Märchenbücher und Bilderbücher werden lebendig“ und verdeutlichen damit, dass die räumliche Wirkung als zentrales Verkaufsargument diente. Die späteren Verlagskataloge von 1953, 1958 und 1965/66 greifen dieselbe Grundidee erneut auf und beschreiben die beim Aufschlagen entstehende plastische Panoramawirkung.
Lithographie und Druck
Die farbigen Illustrationen wurden überwiegend im hochwertigen Mehrfarbendruck hergestellt. Charakteristisch sind die leuchtenden Farbflächen und die sorgfältige Abstimmung zwischen Vorder-, Mittel- und Hintergrund. Trotz der technischen Komplexität gelang es, eine erstaunlich gleichmäßige Druckqualität über zahlreiche Auflagen hinweg zu erreichen.
Papier und Karton
Die Materialqualität unterscheidet sich zwischen Vor- und Nachkriegsausgaben teilweise deutlich. Vorkriegsbände wurden überwiegend auf stabilem Karton hergestellt, der eine hohe Belastbarkeit der beweglichen Elemente ermöglichte. Viele erhaltene Nachkriegsausgaben weisen dagegen einfachere Kartonqualitäten auf. Diese Beobachtung steht im Einklang mit der allgemeinen Rohstoffknappheit der unmittelbaren Nachkriegszeit. Ein spezieller archivalischer Nachweis über die verwendeten Kartonsorten liegt derzeit jedoch nicht vor.
Typische Erhaltungsschäden
Da die Stehauf-Bilderbücher als Spiel-bücher konzipiert waren, weisen erhaltene Exemplare häufig charakteristische Gebrau-chsspuren auf.
Zu den häufigsten Schäden gehören:
- eingerissene Laschen
- gelöste Klebestellen
- gebrochene Faltlinien
- Fehlstellen an Kulissen
- Abrieb der Farbschichten
- Lichteinwirkungen auf den Umschlag
Vollständig erhaltene Exemplare stellen deshalb eine Ausnahme dar.
Empfehlungen zur Aufbewahrung
Aus konservatorischer Sicht empfiehlt sich eine liegende Lagerung in säurefreien Archivkartons. Direkte Sonneneinstrahlung sowie starke Schwankungen von Temperatur und Luftfeuchtigkeit sollten vermieden werden, da sie zu Spannungen innerhalb der Papiermechanik führen können. Restaurierungsmaßnahmen sollten grundsätzlich reversibel ausgeführt werden, um den historischen Originalzustand möglichst vollständig zu erhalten.
Quellenkritik und Forschungsstand
Quellenbasis
Die vorliegende Dokumentation stützt sich überwiegend auf Primärquellen. Hierzu zählen insbesondere Originalausgaben der Schreiber-Stehauf-Bilderbücher, historische Verlagsverzeichnisse, D.R.G.M.-Eintragungen, Bibliothekskataloge und zeitgenössische bibliographische Nachweise. Zu den wichtigsten Primärquellen gehören die Verlagsanzeigen des J. F. Schreiber Verlags in den Fliegenden Blättern (1937 und 1938) sowie die erhaltenen Schreiber-Verlagskataloge der Jahre 1953, 1958 und 1965/66. Gemeinsam ermöglichen sie die Rekonstruktion der Entwicklung der Stehauf-Bilderbücher von ihrer Einführung über die Nachkriegszeit bis zu ihrem Verschwinden aus den regulären Verlagsprogrammen nach 1966. Ergänzend wurden internationale Bibliotheksbestände, wissenschaft-liche Literatur sowie dokumentierte Antiquariatsnachweise herangezogen, um die Verbreitung einzelner Ausgaben nachzuvollziehen.
Gesicherte Erkenntnisse
Nach heutigem Forschungsstand gelten insbesondere folgende Sachverhalte als gut belegt:
- die D.R.G.M.-Schutzrechte Josef Scheidts,
die internationale Lizenzverbreitung nach Spanien, Italien, Schweden, Frankreich und England
- die Beteiligung Mary Leuschners an den Bänden 323 und 324,
die Mitarbeit Giovanni Battista Contis an mehreren italienischen Ausgaben,
- die südafrikanischen und englischen Exportausgaben.
- die Illustratorenzuschreibung der Märchenbände 301–304
Offene Forschungsfragen
Trotz der guten Quellenlage bestehen weiterhin mehrere ungeklärte Punkte.
Hierzu gehören insbesondere:
- die eindeutige Identifizierung des Monogramms „R. F.“,
organisatorische Funktionen einzelner Mitarbeiter innerhalb des Schreiber-Verlags,
- Umfang und Ablauf einzelner Nachkriegsproduktionen.
Diese Fragen lassen sich vermutlich nur durch bislang unbekannte Verlagsunterlagen oder weitere Originalfunde endgültig beantworten.
Bedeutung weiterer Forschungen
Die internationale Verbreitung der Schreiber-Stehauf-Bilderbücher zeigt, dass diese Reihe weit über den Charakter gewöhnlicher Kinderspielbücher hinausgeht. Neue Archivfunde oder bislang unbekannte Lizenzausgaben besitzen daher das Potenzial, das heutige Bild der Reihe in einzelnen Punkten zu erweitern oder zu präzisieren.
Die vorliegende Dokumentation versteht sich deshalb nicht als Abschluss, sondern als Grundlage weiterer Forschungen.
Quellen- und Literaturverzeichnis
Primärquellen
- Originalausgaben des J. F. Schreiber Verlags (Esslingen/München)
- Verlagsanzeigen des J. F. Schreiber Verlags in den Fliegenden Blättern, 1937.
- Verlagsanzeigen des J. F. Schreiber Verlags in den Fliegenden Blättern, 1938.
- Schreiber-Verlagskatalog 1953.
- Schreiber-Verlagskatalog 1958.
- Schreiber-Verlagskatalog 1965/66.
- D.R.G.M.-Register
- Originalausgaben der Editorial Selva (Barcelona)
- Originalausgaben der Editrice Mediterranea (Rom)
- Schwedische Originalausgaben (E. Hadorph (Helsingbörg))
- Südafrikanische Originalausgaben (J. L. van Schaik)
- Englische Exportausgaben (Schreibers plastical picture-books)
- Französiche Exportausgaben (Un livre en relief de „Schreiber“)
Bibliographische Standardwerke
- Aiga Klotz: Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland 1840–1950.
- Heinz Wegehaupt: Alte deutsche Kinderbücher.
- Internationale Bibliothekskataloge und Verbundsysteme (z. B. DNB, WorldCat, LIBRIS, SBN).
Archive und Sammlungen
- Deutsche Nationalbibliothek
- Princeton University – Cotsen Children's Library
- Bodleian Library, Oxford
- NALN, Bloemfontein
- Internationale Museums- und Bibliotheksbestände
- WorldCat
Schlusswort
Die Schreiber-Stehauf-Bilderbücher gehören zu den bedeutendsten europäischen Kulissen- und Pop-up-Bilderbüchern ihrer Zeit. Ihre technische Qualität, die Zusammenarbeit zahlreicher Illustratoren und Autoren sowie ihre internationale Verbreitung machen sie zu einem außergewöhnlichen Zeugnis der Kinderbuch- und Verlagsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Die vorliegende Dokumentation fasst den derzeitigen Forschungs-stand zusammen, verbindet bibliographische Präzision mit historischer Einordnung und versteht sich zugleich als Ausgangspunkt für zukünftige Forschungen zu einer Buchreihe, deren internationale Bedeutung erst in den letzten Jahren zunehmend sichtbar geworden ist.