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Meine Sammlung - Alte Kinder- und Jugendliteratur


Heinrich Göttler: Romantischer Realismus und Nürnberger Meisterschule

In der Blütezeit der Fürther und Nürnberger Druckindustrie war der Löwensohn Verlag dafür bekannt, hochkarätige Künstler für seine Publikationen zu gewinnen. Einer der profiliertesten Vertreter der „Nürnberger Schule“ war Heinrich Göttler (1890–1969). Als Meisterschüler bedeutender Maler brachte er einen akademischen Anspruch in das Bilderbuch ein, der weit über die reine Dekoration hinausging. Sein Stil des romantischen Realismus verlieh den Alltagsthemen der 1920er Jahre eine ganz besondere Tiefe und Beständigkeit.



Von der Akademie zur freien Illustration

Heinrich Göttler erhielt eine Ausbildung, die ihn zu einem der technisch versiertesten Grafiker seiner Zeit machte. Zwischen 1909 und 1912 besuchte er die Kunstgewerbeschule in Nürnberg und errang als Meisterschüler von Rudolf Schiestl und A. Becker-Gundal zahlreiche Preise. Schiestl, selbst ein Meister des Holzschnitts und der Grafik, prägte Göttlers Blick für die klare Linie und die volkstümliche, aber nie kitschige Darstellung.


Nach seinem Studium an der Akademie in München (1912–1916) und den Entbehrungen des Ersten Weltkriegs kehrte Göttler als freischaffender Maler und Illustrator zurück. Seine Werke aus dieser Zeit atmen den Geist des romantischen Realismus: eine detailgetreue, fast sachliche Wiedergabe der Welt, die dennoch von einer warmen, erzählerischen Atmosphäre durchdrungen ist.



Die Bibliografie bei Löwensohn: Wissen und Reime

Die Zusammenarbeit mit dem Löwensohn Verlag konzentrierte sich auf die späten 1920er Jahre. Göttler illustrierte hierbei vor allem Sachbilderbücher und Lyrikbände, die heute aufgrund ihrer lithografischen Qualität gesuchte Sammlerstücke sind.


Chronologische Übersicht der Werke bei Löwensohn:

1927: „Wer baut das Haus, wie sieht es aus und wer soll darin wohnen?“ (Vlgs.Nr. 983)Ein architektonisches Sachbuch für Kinder, das zeigt, wie detailliert Göttler technisches Wissen mit künstlerischem Charme verband.

1927: „Das Frida Schanz Buch“ (Vlgs.Nr. 4801)Eine Beteiligung an der Anthologie der berühmten Jugendbuchautorin, die Göttlers Rang in der damaligen Illustrations-Elite bestätigt.



1928: „Hier ist ein ganzes Büchlein voll von Dingen, die man kennen soll“Dieses Werk fungierte als visuelles Lexikon für die Kleinsten und erschien aufgrund des großen Erfolgs auch im praktischen Leporello-Format.

1928: „Schöne alte Kinderreime für die Kleinen“In diesem Band interpretierte Göttler klassisches deutsches Lied- und Reimsgut in seinem charakteristischen, bodenständigen Stil.


Göttlers Erbe beim Löwensohn Verlag ist ein Paradebeispiel dafür, wie die Verbindung von handwerklicher Lithografie und akademischer Malkunst das „Goldene Zeitalter“ des Bilderbuchs prägte.

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